Da ich ja gerne neues ausprobiere und mir aufgrund fehlerhafter Lagerung von Dungeon Elemente und Kleinstteilen, im Zusammenspiel mit schlechtem Gips, doch schon einiges kaputt gegangen ist, werde ich gerade die Kleinstteile und auch komplette Dungeon Elemente dieses Mal nicht mit Gips, sondern mit Resin gießen.
Auf der Suche nach Anleitungen bin ich zwar auf das eine oder andere gestoßen, aber bei vielen wird nicht auf die möglichen Problemquellen und Risiken eingegangen.
Und diesen Mangel will ich mit diesem Blogbeitrag versuchen zu beheben
Sicherheitshinweise
Der Gießharz setzt beim Aushärten schädliche Dämpfe frei. Es ist dringend auf geeignete Schutzmaßnahmen zu achten und diese streng einzuhalten! Bitte unbedingt die Gebrauchsanleitungen und Sicherheitshinweise lesen und auch befolgen! Während der Chemischen Reaktion beim Aushärten dampfen Toxische Stoffe aus dem Resin aus. Diese können beim Atmen zu Schädigungen der Lunge führen. Kein Hobby sollte mit einer direkten Gefährdung der Gesundheit einher gehen. Nehmt die Sicherheitshinweise bitte wirklich ernst und befolgt sie auch!
Grundlagenwissen
Das von mir verwendete Resin ist ein sogenanntes Polyurethan welches vielen auch als PU-Kunststoff bekannt sein dürfte. Die Shore-Härte liegt bei 80-90 was je nach Leseart knapp bei Hartplastik oder einer Bowlingkugel liegt. Genauere Details dazu können im DIN ISO 7619-1 nachgelesen werden, welche leider wohl nicht kostenlos zu sein scheint.
Was bei Resin noch wichtig ist, ist das Mischungsverhältnis der beiden Komponenten. Ich habe bisher 1:1 oder 1:0.01 vorgefunden, wobei letzteres diese Varianten betrifft, welche mit Härtern arbeiten.
Anmerkung am Rande: Die stinken wie die Pest und man bleibt da schon freiwillig nicht in der Nähe beim Aushärten...
Ein weiterer Wichtiger Faktor ist die Tropfzeit. Nach diesem relativ kleinen Zeitraum, oftmals nur ein paar Minuten, härtet das Resin sehr schnell aus. Und wenn es erst einmal ausgehärtet ist, kann man den Prozess nicht wieder umkehren.
Stolperfallen
Da niemand perfekt ist und die Anzahl der möglichen Fehlerquellen doch recht groß ist, sollte diese Aufstellung nicht als komplett angesehen werden. Wer weitere Stolperfallen kennt, möge mir diese bitte mitteilen damit ich die Liste erweitern kann.
- Beim Mischen der beiden Bestandteile wurde aus zu großer Höhe in den Mischbehälter eingegossen.
Tja, hier bleibt einem nur zu hoffen dass man, z.B. mit einer gebogenen Büroklammer, die Luftblasen zügig genug rausziehen kann bevor die Tropfzeit abgelaufen ist. - Blasen kann man auch durch Unterdruck mittels einer Saugglocke oder einen Rütteltisch verringert oder sogar vermeiden.
- Alternativ dazu kann man eine Spritze mit Abgeflachter Hohlnadel einsetzen um das Resin direkt dorthin zu bringen, wo es zu Problemen kommen könnte beim Einfüllen in die Form.
- Man wartet zu lange und das Resin fängt an zu gerinnen, was erst recht zur Blasenbildung führt beim Einfüllen in die Form.
Benötigte Materialien
Eine gute Quelle für Resin ist unter anderem Rai-Ro Modellbauzubehör Versand welche meiner Meinung nach faire Preise haben. Die aktuelle Bestellung von mir sieht so aus:
| Artikel | Artikel-Nr | Menge | Preis |
| Gießharz hellbraun 2 kg | 03-036A | 1 | 49.95EUR |
| Spritzenkolben 20 ml, 3 Stck. | 03-039 | 2 | 3.60EUR |
| Formen-Trennmittel-Spray | 03-076 | 1 | 7.20EUR |
| Trennmittel | 03-009 | 1 | 5.80EUR |
| Formen-Vaseline | 03-075 | 1 | 3.90EUR |
Bitte bedenkt, dass dies nur als Beispiel dient und manches davon als Optional angesehen werden kann.
Beschreibung der Materialien
Da nicht alle Komponenten benötigt werden, gehe ich nicht auf alle in epischer Tiefe ein.
Gießharz
Laut der Beschreibung ist es hellbraun, Rai-Ro hat aber zwischenzeitlich auf die Farbe Weiß umgestellt, was natürlich vieles später vereinfachen kann wenn es um das Bemalen geht. Ich habe mich bewusst für diese Variante vom Gießharz entschieden, welche aus zwei Flüssigkeiten besteht die zu gleichen Teilen gemischt werden müssen. Die Variante mit dem Härter der in Kleinstmengen im korrekten Verhältnis zugeführt werden musste, war mir dann doch ein wenig zu umständlich. Bleibt abzuwarten ob die jetzige Variante sich brauchbar verwenden lässt.
Spritzenkolben
Dieser wird primär später Verwendung finden, wenn ich Formen verwende, welche komplett geschlossen werden und Einfüll- und Entlüftungslöcher haben. Dies ist aber für den jetzigen Umsetzungsschritt noch nicht notwendig. Das einzig wichtige bei der Bestellung ist, dass die Spritzenöffnung nicht zu klein ist für die zähe Resinmasse später.
Formen-Trennmittel-Spray
Dies ist auch nur notwendig, wenn man Formen erstellen will und das Originalobjekt nicht beschädigen will.
Formen-Trennmittel
Auch eher eine optionale Komponente, aber wer seine Formen gerne schonen möchte, für den ist dies ein Muss. Neben der Schutzfunktion der Form selbst, kann man den Guss später auch leichter entnehmen.
Formen-Vaseline
Dies ist eine der optionalen Komponenten, welche man nur beim Gießen in Formen benötigt, welche aus mehreren Teilen bestehen. Einfacher auf die Kontaktflächen der Formen auftragen (nicht in die Gussfläche) und man kann die Formen später wesentlich leichter wieder voneinander trennen.
Vorbereitungsschritte
Denkt immer daran, dass Resin nicht ewig in einem Gießbaren Zustand verbleibt.
Legt euch alle Arbeitsmittel vorher gesäubert, zusammen gebaut und in Greifnähe bereit.
Vergewissert euch das ihr immer genug Rohmaterial habt und überlegt euch vorher welche Teile der Form ihr füllen wollt.
Diese sollten zum Schutz der Form mit Formen-Trennmittel behandelt worden sein.
Sind alle diese Punkte erfüllt, dann könnt ihr mit dem Abmischen loslegen.
Vorgehen beim Abmischen
Da ich ein Mischverhältnis von 1:1 habe, geht das sehr schnell vonstatten und ist auch ziemlich einfach zu verstehen und umzusetzen. Komponente 1 in den Messbecher, gleiche Menge von Komponente zwei in einen anderen, ab damit in den Mischbehälter und gut umrühren.
Beim Umrühren sollte man es dabei nicht übertreiben, den sonst schlägt man sich Luftblasen in das noch flüssige Resin, welche einen später behindern werden.
Das Einfüllen in die Form
Auch hier gilt es ohne Hast vor zu gehen. Ich selbst ziehe es vor zuerst Resin in einen Spritzkolben zu ziehen um damit als erstes die filigranen Formteile, welche oftmals zur Blasenbildung neigen, zu füllen.
Größere Flächen oder Gussformen werden direkt aus dem Mischbehälter gefüllt. Außerdem sollte man darauf achten, dass ein wenig mehr in die jeweiligen Formen eingefüllt wird. Resin zieht sich ein wenig zusammen beim Aushärten. Nur sehr wenig, aber wenn man bündig einfüllt, dann erzeugt man eine leichte nach innen gerichtete (konkave) Biegung auf dem Objekt. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es oftmals langt zwei bis drei Tropfen, je nach Gesamtvolumen der Form, hinzu zu geben und das Problem entstand danach erst gar nicht mehr.
Ein kleiner Tipp am Rande: Haltet euren Spritzkolben immer über der Form. Das Zeug geht echt schlecht aus der Kleidung wieder raus
Sobald ihr alles eingefüllt habt, startet ihr euch einen Wecker mit einer Wartezeit von 90 Minuten.
Entformen
Und hier kommt ein großer Vorteil dem Gips gegenüber zum tragen. Ich habe es bei jetzt acht Abgüssen noch kein einziges Mal geschafft etwas beim Entnehmen aus der Form zu zerbrechen oder zu beschädigen.
Das Resin ist auch nach 90 Minuten noch leicht biegsam was gerade bei den doch filigranen HirstArts Formen von Vorteil ist
Keine Sorge, dass Resin härtet im Laufe der nächsten Stunden weiter aus.
Detailgrad, Qualität und weitere Bearbeitungsschritte
Kurz und gut, es ist ganz normales Resin. Grundiert es, bemalt es und zwar mit dem was ihr auch für normale Miniaturen aus Resin immer verwendet. Man kann es schneiden, schleifen (Achtung sehr feiner Staub!) und wenn man genug Kraft einsetzt, auch brechen. Die Details der Formen werden sehr gut wieder gegeben, es liegt angenehm in der Hand, staubt nicht, es platzt vielleicht mal Farbe weg, aber nicht gleich ganze Teile vom eigentlichen Objekt.
Anmerkung am Rande: Wer schon einmal die neuen Resin Miniaturen von Reaper Miniatures in der Hand hatte, der kann sich vorstellen welche Qualität und Härte an Resin ich hier verwende.
Gips vs Resin
Materialkosten
Hier hat der Gips klar mit 2-3 € die Nase vorne. Selbst wenn man richtig teuren Gips nimmt, kommt man nur schwer an die 50 € für die gleiche Gewichtsmenge bei Resin heran. OK, außer man nimmt Dentalgips, aber da spielt man eh dann in einer ganz anderen Preisliga
Punkt für Gips
Zeitaufwand
Hier hat das Resin die Nase vorne. Abmischen, Füllen der Formen und die Trockenzeit sind zwischen 60 und 120 Minuten. Da Gips je nach Jahreszeit durchaus mal einen halben Tag benötigt, oder sogar mehr um richtig durch zu trocknen, kann man bei Resin wesentlich schneller gießen, kleben und bemalen. Punkt für Resin
Gesundheitliche Risiken
Resin ist definitiv gefährlicher, insbesondere bei den Varianten mit dem speziellen Härter, aber Gipsstaub in der Lunge ist auch nichts was man als “ist gesund” einstufen könnte. Beides muss mit Respekt und Wissen behandelt werden, sonst rächt sich das irgendwann. Punkt für keinen von beiden
Bruchfestigkeit
OK, hier gewinnt Resin ganz klar. Setzt man nicht gerade Dentalgips ein, kommt Gips spätestens bei den filigranen Gussformen nicht mehr an die Stabilität und Bruchfestigkeit von Resin heran. Punkt für Resin
Haltbarkeit
Hier kann ich nur Vermutungen äußern. Aber wenn ich meine Resinfiguren von vor fünf Jahren mit den Gipssteinen vom gleichen Zeitraum vergleiche, dann gewinnt auch hier das Resin. Punkt für Resin
Verwendbarkeit
Gips und Resin lassen sich fast gleich gut verarbeiten, wobei man Resin viel leichter mit einem Messer schneiden kann, während man Gips viel leichter mit Schleifpapier schleifen kann. Hier hängt es stark vom Objekt selbst und dem eigenen Vorhaben ab, welches man mit dem jeweiligen Material geplant hat. Punkt für beide
Ergebnis
Gips: 2 Punkte Resin: 4 Punkte
Fazit
Kurz und gut, wenn der hohe Preis im Vergleich zu Gips nicht wäre, würde Resin die nahezu perfekte Alternative dazu sein. Ich persönlich werde Resin für kleinere Objekte und vielleicht später sogar für komplette Dungeon Module verwenden. Resin hat mich überzeugt, nur der Preis tut echt weh. Bei Gips konnte man einen Fehlguss noch mit einem Schulterzucken abtun und das Ergebnis dem Abfall zuführen. Bei Resin sollte man sich vorher sicher sein was man damit machen will und wie Resin zu verwenden hat.
Videobeitrag
Und hier noch ein kleiner Testbeitrag in Form eines Videos zum Thema Resin im Tabletop. Keine Sorge, es ist ein Testballon und ich weiß selbst noch nicht ob ich da mal mehr machen will.
Resin im Tabletop

